Mannheim Investment Club (MIC) Podcast
00:52:47 · Florian Heinemann, Marc Etienne Sellen
[00:52:47] S1: Also ein Thema, ne? Also es nicht, ja, also mal schauen, wie viel es dann letztendlich sein wird, aber ich kann mir schon vorstellen, dass 15, 20 Prozent oder so da reinfließen werden, ja. Okay. Mehr wird's wahrscheinlich nicht sein. Also wir glauben, gesagt, nicht an einen... Wir wollen eigentlich keinen monothematischen Fonds haben. Das ist ja genau sozusagen das Gegenteil des Generalist Ansatzes, ne, wo Du sagst, aufn Zehn- bis Fünfzehnjahreszeithorizont vorherzusehen, welche Themen Rückenwind haben. Das ist halt wahnsinnig schwer, ne. So und deswegen haben wir eigentlich gesagt, wollen wir keinen monothematischen Fonds aufsetzen, weder im Bereich Resilienz noch sonst irgendwo. Weil wir im Prinzip sagen, wir trauen uns nicht zu, auf 10, 12, 15 Jahre eine Prognose abzugeben, welche Themen eigentlich dann Rückenwind haben werden. Und deswegen wollen wir im Prinzip auch thematisch bei soner, man nennt das Portfolio Construction, ne, also bei der Portfolio Construction im Prinzip darauf achten, dass wir halt immer eine Reihe von Themen, die auch möglichst wenig von den Makro Trends, die sie betreffen, miteinander korrelieren, Das ist also auch Teil der der Diversifikationsbemühungen. Aber genau, also Resilienz ist ein Thema, aber ist nicht das Thema, [00:53:52] S0: ja. Wie kann der Standort Europa für VCs und Start ups gefördert werden, dass er jetzt theoretisch mit langsam mal mit den USA aufholt und sich nicht die Trends noch weiter verstärken?
00:54:02 · Florian Heinemann
[00:54:02] S1: Ja, also ich glaube, was man... Es gibt verschiedenste Bereiche, glaube ich, das ist, glaube ich, keine Frage. Was wahnsinnig helfen würde oder ein großes Problem von Ventures, auch in Europa, weniger aktive Exit- und Kapitalmärkte. Also, hier gibt's halt keinen Nasdaq, ne, oder und und auch auf der Corporateseite wird deutlich weniger akquiriert, als wir das eben in den USA sehen. Und Venture funktioniert nur, wenn Geld ausm System raus zu den Investoren fließt, die's dann wieder zum Teil zumindest reinvestieren in das Ökosystem. Das heißt, Du brauchst ein gutes Venture Ökosystem, funktioniert nur mit funktionierenden Exitmärkten, ne. Und zurzeit ist es so, dass viele der großen Exits, die passieren, was weiß ein UiPath oder so was aus Europa, die passieren dann eben am am amerikanischen Kapitalmarkt, ne. Und es würde natürlich das Leben deutlich verbessern für Start ups hier und auch hätte auch diverse andere Vorteile, ne. Mal abgesehen davon, ist ja auch so, wenn man sich jetzt mal die die Wertentwicklung der Aktienmärkte in den letzten 10, 15 Jahren anguckt, ist ja sehr, sehr, sehr viel davon getrieben durch große Techfirmen, ne. So, das heißt, da sozusagen europäische Anleger dran profitieren zu lassen, indem sozusagen moderne Techwachstumsfirmen eben dann auch hierbleiben, dann auch sehr stark von europäischen Investoren Das hat durchaus nicht nur sozusagen Vorteile für den Standort, sondern sehr wahrscheinlich auch für die Anleger, die das Geld da investieren. Und wir bräuchten ein deutlich aktiveren Kapitalmarkt hier und und das ist wahrscheinlich nicht möglich, wenn man nicht sozusagen dafür sorgt, dass eben ein, 2 starke Finanzplätze gibt und eben nicht sozusagen jetzt dieses sehr stark Aufgeteilte und und Kleinteilige zwischen Frankfurt und Paris und Amsterdam und und dann in London. Und London ist da sicherlich noch am weitesten, war da ja nicht mehr Teil der EU, ne, also auch sagenhaft bescheuert. Aber ich glaub, wir bräuchten einfach aktivere Kapital- und Exitmärkte. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist natürlich und wenn man sich auch anschaut in USA, wie viele Start ups werden gegründet von Leuten, die nicht ursprünglich Amerikaner waren, sondern eben in die USA gekommen sind durchs Studium, durch PhD oder sonst irgendwas. Ich glaub, das ist auch ein wesentlicher Hebel, ne.
00:56:20 · Florian Heinemann
Also einfach hoch qualifizierte Einwanderer nach Europa zu bringen, nach Deutschland zu bringen, nach Frankreich zu bringen und eben dafür, denen das so attraktiv wie möglich zu machen, ne. Und ich glaube, wenn man sich anschaut, wie schwer wir es zum Teil Menschen machen, hier anzukommen, ne. Und klar, so was wie eine AfD hilft auch nicht. Das ist natürlich das Nächste, dass Du eigentlich natürlich sagen, systematisch dran arbeiten müsstest, wie kann Europa für global hoch qualifizierte Menschen eigentlich der attraktivste Standort sein. Das muss eigentlich unser Ziel sein, ne. Und diesen Menschen den rotesten aller roten Teppiche auszurollen und dafür zu sorgen, dass die sich hier wohlfühlen, willkommen fühlen und eben hier ihr Business aufziehen. Das sorgt natürlich für wahnsinnig viel Dynamik in soner Wirtschaft, ne. Und wenn Du anschaust, wir haben in Europa, nicht nur Deutschland, das ist am schlimmsten, aber in ganz Europa ein Wachstumsproblem im Verhältnis zu den USA und Asien. Wir wachsen viel langsamer, ne. Kann man jetzt sagen, das ist ja schön, Du, ne. Dann stoßen wir auch weniger CO2 aus vielleicht so. Aber letztendlich, ich ich ich glaub halt nicht an dieses De Growth Szenario, was viele aufmachen. Ich halt's zum einen für grob asozial, ne, weil Du letztendlich Menschenaufstiege verwehrst. Und ich glaube, jeder Mensch sollte, wenn er sich anstrengt und die Möglichkeiten hat und die Fähigkeiten hat, die Möglichkeit zum zum eigenen Aufstieg haben. Das sollten wir den Leuten leicht machen. Nicht nur, weil's sozial ist aus meiner Sicht, sondern auch, weil es der Dynamik 1 Wirtschaft wahnsinnig hilft, also rein aus, ne. Und ich glaube, wir müssen den Klimawandel sowieso nicht durch Degrowth lösen, sondern durch durch einfach strukturelle technologische Veränderungen und neue Technologien, die wir halt entwickeln müssen, zumindest ein relevanten Teil davon zu beherrschen. Ich glaube, jetzt einfach weniger zu wachsen und und und uns einzuschränken, das geht vielleicht hier noch, ne, in in in Europa oder in Deutschland. Aber es ermöglicht dann eben eine... Wir haben jetzt schon eine sehr geringe Durchlässigkeit in unserer Gesellschaft. Ne. Also auch Deutschland ist innerhalb der OECD Staaten 1 der Länder, wo Du eigentlich die geringste Mobilität zwischen verschiedenen Klassen hast und das ist auch schon nicht gut, ne.
00:58:40 · Florian Heinemann
Du müsstest eigentlich eine hohe Mobilität haben, weil das sorgt dann halt wieder für von 1 Gesamtwirtschaft. Aber jetzt irgendwelchen Indern zu erzählen, mach mal jetzt ein bisschen degrowth. Also wir wollen eigentlich nicht, dass ihr aus eurer Armut rauskommt. Das kannst Du eigentlich nicht machen, ne. Sondern das heißt, man muss eigentlich die Themen anders lösen. Und das heißt, mehr sozusagen Einwanderer hier reinholen, mehr Durchlässigkeit ermöglichen, mehr Aufstiege ermöglichen, ist, glaube ich, das Nächste. So und und das 3. Oder ein weiterer Punkt ist sicherlich Mobilisierung von Kapital, ne. Also aktuell ist es so, dass Europas Anteil am globalen Venture Capital Markt sind irgendwie 2 Prozent, ne. So nicht in dem Sinne, was investiert wird, da ist es ein bisschen besser, aber von dem, was von Europäern in den Venture Capital Bereich investiert wird. Und das ist deutlich unterhalb dessen, was eigentlich der Anteil von Europa im globalen GDP ist. Das ist deutlich höher. Und das ist zum einen dumm, ne, weil sozusagen da sehr viel Wert generiert wird. Heißt, wir sollten eigentlich schauen, dass wir zumindest mal unseren Anteil im GDP auch im globalen GDP auch sozusagen im Venture Capital Markt haben, weil das auch für unsere eigene Vermögensentwicklung als als Europa schlau wäre. Und es trägt natürlich zu' Wahnsinnsendynamik innerhalb der Wirtschaft bei, ne. Weil was, glaub ich, klar ist mit Banken, die halt aus regulatorischen Gründen immer weniger als Finanzierungspartner von von großem Unternehmen und von Investitionen infrage kommen, weil wir durch verschiedenste Basel irgendwas Regulierungen es eben immer schwerer machen für die, da als Finanzierungspartner zur Verfügung zu stehen, brauchst Du alternative Finanzierungsformen, ne. Das kann Private Equity sein, das kann Venture Capital sein. Klar ist, Du brauchst privates Kapital, was eben aktiviert wird, da diese Lücke zu schließen. Und es wäre töricht, eben das nicht nicht zu tun, ne, weil es eben auch auf die Wachstumsproblematik, die wir vorhin hatten, noch zusätzlich einzahlt. Und und das ist, glaub ich, das Nächste. Und wie gesagt, und das ist, glaub ich, noch mal ganz wichtig, da geht's nicht Charity, ne.
01:00:51 · Florian Heinemann
Es geht jetzt nicht drum, dass Venture Capital Investments quasi wie sone Art Spende an die wirtschaftliche Entwicklung sind, sondern wir sehen ja in USA und auch in Asien, dass in dem Bereich sehr gute Renditen erzielt werden. Die europäischen Venture Capital Renditen sind jetzt in den letzten 10 Jahren nicht schlechter gewesen als die in USA, ne. Das heißt also, es ist nicht nur etwas, was der wirtschaftlichen Entwicklung insgesamt hilft, auch den Menschen, die da oder den Institutionen, die da konkret investieren. Das heißt, da mehr Awareness für zu schaffen. Aber wir haben aktuell einen Kanzler, der selbst sagt: Aktien sind zu riskant. Das ist natürlich einfach also da fehlen einem die Worte, das kann man eigentlich gar nicht beschreiben. Und das muss sich ändern. Also das ist wenn wir da irgendeine Art von Chance haben wollen, Da gibt es sicherlich noch viele andere Dinge, aber das sind so 3, die wahrscheinlich ganz vorne stehen. Einfach ein sehr flexibles Einwanderungsgesetz, gerade für Hochqualifizierte, den Menschen das so einfach machen wie möglich, ihr Unternehmen zu gründen. Genau, das ist... Und dann eben dieser Finanzierungspunkt und funktionierende Kapitalmärkte, weil Du brauchst halt Rückflüsse. Wenn das schon mal sich verbessern würde, dann würden wir sicherlich ein tollen Fortschritt machen. Weil ich glaub, was man festhalten kann, wenig erstaunlich, die Menschen hier sind ja nicht dümmer als in den USA. Das heißt also, es gibt jetzt keinen strukturellen Grund, warum wir hier nicht ein ähnlich innovatives und erfolgreiches Ökosystem aufbauen. Und ich glaube, was ja häufig so gebracht wird, dafür sind wir irgendwie ein Supersozialstaat. Das mag ja auch alles sein, das will ich auch gar nicht ändern. Ich glaub, muss man auch nicht ändern. Es widerspricht sich nur, glaub ich, aus meiner Sicht nicht, soziale Marktwirtschaft zu betreiben und trotzdem sozusagen eine innovative Start-up- Wirtschaft und Wirtschaft zu haben. Das sind, glaube ich, keine Dinge, die sich gegenseitig strukturell widersprechen. Insofern kann man, glaube ich, schon ein sehr aktives, innovatives Ökosystem haben, ohne quasi diese Dynamik zu gefährden, die du eben in so einem System hast. Und wir brauchen dringend, und ich glaube, das ist relativ klar, sehr, sehr dringend eine Erneuerung und Modernisierung unserer Wirtschaft.
01:03:10 · Florian Heinemann, Marc Etienne Sellen
Ich meine, wenn man sich anschaut, vor 30, 40 Jahren waren eine Reihe von europäischen Unternehmen unter den größten der Welt. Das wird immer weniger, ne? Also der Trend ist sehr, sehr klar, dass europäische Unternehmen strukturell sich entwickeln als Unternehmen in anderen Regionen der Welt, insbesondere USA und Asien. Und wenn wir diesen Trend nicht aufhalten, dann wird sich unser Wohlstand nicht halten lassen. Das ist, glaube ich, logisch. Und und eine Bevölkerung und Themen wie Viertagewoche tragen auch nicht dazu bei, ne, dass das sich irgendwie verändert. Und ich glaube sozusagen, dieser Gesamtzusammenhang scheint vielen Menschen noch nicht ausreichend klar zu sein. Und das wär natürlich schön, wenn sich das ändert. [01:03:53] S0: Du hast jetzt viele Themen angesprochen, die in meiner Freundes Whatsapp Gruppe immer hin- hergeschickt werden. Wir haben noch eine Minute, deswegen ganz kurze Frage, großes Thema. Was ist für dich Erfolg?