Alles auf Aktien – Die täglichen Finanzen-News
00:14:21 · Daniel Eckert, Lea Oetjen
[00:14:21] S1: Und es ist nicht das 1. Programm dieser Art. Schon im November 2024 hatte Schaeffler den Abbau von 4700 Stellen angekündigt. Rechnet man alle Programme zusammen, verschwindet nach Unternehmensangaben knapp jede 5. Stelle in Deutschland. [00:14:37] S2: Klaus Rosenfeld, der Vorstandsvorsitzende der Schaeffler AG, hat dafür eine klare Diagnose gestellt. Das Kernproblem in Deutschland seien die Personalkosten. Laut Rosenfeld kostet ein Mitarbeiter hierzulande fast zweieinhalbmal so viel wie 1 an anderen europäischen Standorten. [00:14:52] S1: Und deshalb sollen auch die verbleibenden Standorte günstiger werden über einen sogenannten Solidaritätsbeitrag. Der Vorstand verzichtet 2 Jahre lang auf 10 Prozent seiner Bezüge, die außertariflichen Führungskräfte 3 Jahre lang auf 5 Prozent und das verkündet Rosenfeld mitten in der Tarifrunde. Lohnsteigerungen passen in dieser Krise für nicht ins Bild und das darf die IG Metall ruhig mal als Ansage verstehen. [00:15:20] S2: Gleichzeitig drücken aber die Autobauer von oben. Sie reichen nämlich ihre eigenen Kostenprobleme an die Zulieferer weiter. Rosenfeld hat dafür ein schönes Bild gefunden. Das Verhältnis zwischen Zulieferern und Herstellern seitdem nach mittlerweile eine Mischung aus Tanz- und Boxkampf und er warnt davor, dass daraus kein reiner Boxkampf wird.
00:15:20 · Lea Oetjen, Daniel Eckert
[00:15:20] S2: Gleichzeitig drücken aber die Autobauer von oben. Sie reichen nämlich ihre eigenen Kostenprobleme an die Zulieferer weiter. Rosenfeld hat dafür ein schönes Bild gefunden. Das Verhältnis zwischen Zulieferern und Herstellern seitdem nach mittlerweile eine Mischung aus Tanz- und Boxkampf und er warnt davor, dass daraus kein reiner Boxkampf wird. [00:15:37] S1: Ja, und dann sind da noch die Roboter. Schaeffler baut die Gelenkantriebe, die einen humanoiden Roboter bewegen. In der Branche heißen sie Aktuatoren. In einem einzigen Humanoiden stecken rund 30 davon. Etwa 400000000 Euro an Aufträgen hat Schaeffler in dem Geschäft gesammelt. [00:15:56] S2: Gestern hat aber Rosenfeld selbst die Erwartungen ein bisschen gebremst. Die meisten Aufträge betreffen die noch den Prototypen und Serienaufträge seien längst nicht so berechenbar wie das Geschäft mit den Autobauern. Rosenfeld hält die USA und Europa für aussichtsreiche Standorte. Die beiden Neukunden aus dem dritten Quartal kommen aber vor allem aus China. [00:16:13] S1: Ja und diese 400000000 Euro aus der Robotik, die muss man schon ins Verhältnis setzen. Schaeffler macht im Jahr rund 23000000000 Euro Umsatz. Die Roboteraufträge, die entsprechen also nicht einmal 2 Prozent davon. Der Stellenabbau, der kostet mit 480000000 Euro sogar mehr, als die Robotik bisher an Aufträgen eingebracht hat. Rosenfeld eigenes Ziel liegt im Jahr 2035. Dann sollen Roboter, Rüstung und Raumfahrt zusammen rund 3000000000 Euro Umsatz bringen. Bis dahin muss das schrumpfende Autogeschäft den Umbau bezahlen.
00:16:13 · Daniel Eckert, Lea Oetjen, S0
[00:16:13] S1: Ja und diese 400000000 Euro aus der Robotik, die muss man schon ins Verhältnis setzen. Schaeffler macht im Jahr rund 23000000000 Euro Umsatz. Die Roboteraufträge, die entsprechen also nicht einmal 2 Prozent davon. Der Stellenabbau, der kostet mit 480000000 Euro sogar mehr, als die Robotik bisher an Aufträgen eingebracht hat. Rosenfeld eigenes Ziel liegt im Jahr 2035. Dann sollen Roboter, Rüstung und Raumfahrt zusammen rund 3000000000 Euro Umsatz bringen. Bis dahin muss das schrumpfende Autogeschäft den Umbau bezahlen. [00:16:49] S2: Ja und was heißt das jetzt für euch? Wer Schaeffler im Depot hat, besitzt ein Autozulieferer im Umbau mit 1 Roboteroption obendrauf. Bei' Börsenwert von rund 6000000000 Euro ist von der Euphorie aus dem Januar kaum noch etwas übrig. Jeffrey bleibt aber trotzdem bei der Kaufempfehlung mit' Kurzziel von 8 Euro 70. [00:17:06] S1: Die Rechnung geht aber nur auf, wenn das Sparprogramm die Margen im Autogeschäft hält, bis die Roboter in Serie gehen. Bei jeder alten Industrieaktie, die plötzlich mit 1 neuen Geschichte abhebt, lohnt deshalb ein besonderer Blick auf Folgendes. Wie groß ist das neue Geschäft wirklich und wie lange kann und muss das alte Geschäft noch die Rechnung bezahlen? [00:17:33] S0: Die Triple AID des Tages. [00:17:36] S1: Unsere heutige Triple AID ist eine Wahrheit, die für manche von euch vielleicht unbequem klingen mag. Wir heißen alles auf Aktien, aber es gibt Situationen, für die das ausdrücklich nicht gilt. Eine davon ist erreicht, wenn nach jahrelangem Ansparen plötzlich Entsparen nötig wird.
00:17:36 · Daniel Eckert, Lea Oetjen
[00:17:36] S1: Unsere heutige Triple AID ist eine Wahrheit, die für manche von euch vielleicht unbequem klingen mag. Wir heißen alles auf Aktien, aber es gibt Situationen, für die das ausdrücklich nicht gilt. Eine davon ist erreicht, wenn nach jahrelangem Ansparen plötzlich Entsparen nötig wird. [00:17:55] S2: Ja, den konkreten Fall dafür hat uns unserer unser Hörer Daniel geliefert. Er hat nämlich alles richtig gemacht und über einen ETF Sparplan rund 50000 Euro aufgebaut, damit die Ausbildung seiner Tochter zu finanzieren. Nächstes Jahr beginnt ihr Studium und damit wird es im langfristigen Aktiendepot plötzlich Geld, das einen ganz konkreten Zweck erfüllen muss. [00:18:14] S1: Ja, und jetzt fragt Daniel, wie gehe ich mit den 50000 Euro Kann ich die einfach zu 100 Prozent zum Beispiel in meinem MSCI World ETF lassen und während der 4 Stundenjahre jeden Monat Anteile für dann so ungefähr 1000 Euro verkaufen? Oder muss ich vielleicht doch umschichten? So war seine Frage. [00:18:33] S2: Ja, und genau da kommt auch die unbequeme Wahrheit. Wenn ein Betrag über einen relativ kurzen Zeitraum aufgebraucht werden soll, dürfen Aktien nicht einhundert Prozent ausmachen. Beim Sparen ist ein Börsencrash unangenehm, aber mit langem Horizont sogar eine Gelegenheit, günstig weitere Anteile zu kaufen. Beim Entsparen dreht sich dieser Mechanismus allerdings denn plötzlich müssen wir verkaufen, egal wie gerade das Börsenmetall ist.
00:18:33 · Lea Oetjen, Daniel Eckert
[00:18:33] S2: Ja, und genau da kommt auch die unbequeme Wahrheit. Wenn ein Betrag über einen relativ kurzen Zeitraum aufgebraucht werden soll, dürfen Aktien nicht einhundert Prozent ausmachen. Beim Sparen ist ein Börsencrash unangenehm, aber mit langem Horizont sogar eine Gelegenheit, günstig weitere Anteile zu kaufen. Beim Entsparen dreht sich dieser Mechanismus allerdings denn plötzlich müssen wir verkaufen, egal wie gerade das Börsenmetall ist. [00:18:56] S1: Ich hab das selber mal mit historischen DAX Daten durchgerechnet und das Ergebnis, das fand ich selbst ziemlich krass. 50000 Euro Startkapital komplett in Aktien dann jeden Monat 1000 Euro Entnahme. Und wer so Anfang neunzehnhundertneunundneunzig gestartet wäre, der hätte 50 volle Monatsraten geschafft ab 1000 Euro. Nur ein Jahr später gestartet, also Anfang 2000, kurz vor dem Platzen der Millenniumsblase, ja, da hätte das Geld lediglich für 36 volle Monatsraten gereicht, also nur für 3 Jahre. Ein einziges Jahr Unterschied beim Startpunkt kostet in der Modellrechnung 14 Monatsraten. [00:19:35] S2: Ja, dahinter steckt das sogenannte Renditereihenfolgerisiko und das ist beim Entsparen 1 der zentralen Gefahren. Fallen die Aktien gleich am Anfang 30 oder 40 Prozent, muss Daniel anschließend viel mehr ETF Anteile verkaufen, an seine 1000 Euro zu kommen. Diese verkauften Anteile sind dann weg und können die spätere Börsenerholung nicht mehr mitmachen. Entscheidend ist also nicht nur, welche durchschnittliche Renditen die Aktien über die vielen Jahre bringen, sondern vor allem, wann Gewinne und Verluste auftreten.
00:19:35 · Lea Oetjen, Daniel Eckert
[00:19:35] S2: Ja, dahinter steckt das sogenannte Renditereihenfolgerisiko und das ist beim Entsparen 1 der zentralen Gefahren. Fallen die Aktien gleich am Anfang 30 oder 40 Prozent, muss Daniel anschließend viel mehr ETF Anteile verkaufen, an seine 1000 Euro zu kommen. Diese verkauften Anteile sind dann weg und können die spätere Börsenerholung nicht mehr mitmachen. Entscheidend ist also nicht nur, welche durchschnittliche Renditen die Aktien über die vielen Jahre bringen, sondern vor allem, wann Gewinne und Verluste auftreten. [00:20:02] S1: Und wie sieht jetzt also eine vernünftige Lösung für das Problem aus? Also ich würd die 50000 Euro gedanklich in mehrere Töpfe aufteilen und ungefähr ein Viertel davon, also so 12 bis 13000 Euro in dem WELT ETF lassen. Die übrigen 3 Viertel, die würde ich aber aus dem Aktienrisiko rausnehmen. Das folgt der einfachen Überlegung, Geld, in den nächsten Jahren zwingend gebraucht wird, das sollte nicht davon abhängen, ob gerade Bullen- oder Bärenmarkt ist. Und Geld, das ihr erst am Fernhorizont brauchen werdet, also auf das ihr dann zugreifen müsst, das kann dagegen investiert bleiben.