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00:15:12 · Lea Oetjen, Daniel Eckert
[00:15:12] S2: Ja, und damit verändert sich ja ein Stück weit auch so das Verhältnis zum Risiko. Solange Anleger glaubten, dass die Nachfrage praktisch unbegrenzt wächst, waren Hunderte Milliarden Dollar Vorleistung kein großes Ding. Wenn das Wachstum aber nun ein bisschen langsamer wird, sieht dieselbe Rechnung plötzlich halt ganz anders aus, logisch. Vor allem bei den Firmen, die ihre NVIDIA Rechner mit viel Fremdkapital finanziert haben zum Beispiel. [00:15:34] S1: Jetzt kommt noch ein entscheidender Punkt, denn ausgerechnet in diesem Moment fehlt ein wichtiger Puffer. Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta und Oracle, die haben ihre Aktienrückkäufe massiv reduziert, weil sie das Geld für Rechenzentren brauchen. Und genau in dem Moment, in dem die Kurse schwächeln, kaufen die Techgiganten deutlich weniger ihre eigenen Aktien zurück und auch das verstärkt jetzt die Bewegung nach unten. [00:15:58] S2: Ja und trotzdem würde ich nicht von einem großen Börsencrash oder gar dem Platzen der KI Blase sprechen. Dafür sieht das Bild unterhalb der Oberfläche noch zu differenziert aus. Geld verschwindet nicht einfach aufs Markt, sondern wandert beispielsweise in Anleihen oder auch in Geldmarktfonds. Und Apple war gestern sogar im Plus, wenn auch leicht, aber im Plus, während die ganz großen KI Gewinner natürlich massiv unter Druck standen. [00:16:19] S1: Ja, und das sollte man auf jeden Fall immer tun, unter die Oberfläche schauen, denn da sieht man ja die paddelnden Füße der Entlein. [00:16:25] S2: Ja, da ist sie wieder, die Ente.
00:16:25 · Lea Oetjen, Daniel Eckert
[00:16:25] S2: Ja, da ist sie wieder, die Ente. [00:16:27] S1: Ja, und damit sind wir beim entscheidenden Punkt. Wir sehen bislang eher eine heftige Sektorrelation als einen breiten Crash am Aktienmarkt. Und dazu passt auch, dass defensive Branchen seit einigen Wochen stärker laufen. Anleger verkaufen also Risiko, aber sie verkaufen nicht wahllos alles am Aktienmarkt. [00:16:47] S2: Ja, das war ja auch zum Beispiel am Donnerstag ganz schön beim DAX zu beobachten. Am Vormittag steht der Deutsche Light and DAX zunächst auf das neue Rekordhoch. Du hast es ja selbst gesagt, während an der Wall Street Technologie verkauft wurde. Erst als der Ausverkauf in New York dann am späten Nachmittag immer heftiger wurde, drehte dann noch der DAX ins Minus und das spricht ja dann eher für Umschichtung als für die pure Panik. [00:17:07] S1: So ist es. Und damit kommen wir jetzt zum entscheidenden Punkt, zur Frage, die euch am meisten beschäftigt als Anleger. Was macht ihr jetzt? Also erstens würde ich einen Nasdaq Rückgang gut 10 Prozent noch nicht mit einem Bärenmarkt verwechseln. Historisch spricht man ja erst bei einem Minus von 20 Prozent von einem solchen Bärenmarkt. Und eine Korrektur von 10 Prozent, die fühlt sich unangenehm an, ist aber etwas komplett anderes als ein Systembruch.
00:17:07 · Daniel Eckert, Lea Oetjen
[00:17:07] S1: So ist es. Und damit kommen wir jetzt zum entscheidenden Punkt, zur Frage, die euch am meisten beschäftigt als Anleger. Was macht ihr jetzt? Also erstens würde ich einen Nasdaq Rückgang gut 10 Prozent noch nicht mit einem Bärenmarkt verwechseln. Historisch spricht man ja erst bei einem Minus von 20 Prozent von einem solchen Bärenmarkt. Und eine Korrektur von 10 Prozent, die fühlt sich unangenehm an, ist aber etwas komplett anderes als ein Systembruch. [00:17:36] S2: Ja, tut nur bisschen weh. Ja, zweitens würde ich jetzt genau hinschauen, welche Geschäftsmodelle denn eigentlich wirklich verkauft wurden. Ein hoch verschuldeter Rechenzentrumsbetreiber ist ja was völlig anderes als zum Beispiel eine Microsoft Aktie mit Milliarden Cashflows im Hintergrund und bestehenden Cloud Kunden. Wenn alles gleichzeitig fällt, entstehen grade durch diese Unterschiede natürlich auch Chancen. Der Markt beginnt wieder Qualität und Finanzierung stärker zu unterscheiden. [00:18:00] S1: Und eine 3. Bitte, nicht versuchen, den heldenhaften Trader spielen zu wollen und unbedingt den Tiefpunkt erwischen zu wollen. Wer von der langfristigen KI Story überzeugt ist, der kann eine Korrektur nutzen, gute Unternehmen in Tranchen einzusammeln. Gerade nach solchen Tagen ist es vernünftiger, Positionen schrittweise aufzubauen, als mit einem großen Betrag auf das perfekte Timing zu wetten, Stichwort Sparplan.
00:18:00 · Daniel Eckert, Lea Oetjen
[00:18:00] S1: Und eine 3. Bitte, nicht versuchen, den heldenhaften Trader spielen zu wollen und unbedingt den Tiefpunkt erwischen zu wollen. Wer von der langfristigen KI Story überzeugt ist, der kann eine Korrektur nutzen, gute Unternehmen in Tranchen einzusammeln. Gerade nach solchen Tagen ist es vernünftiger, Positionen schrittweise aufzubauen, als mit einem großen Betrag auf das perfekte Timing zu wetten, Stichwort Sparplan. [00:18:29] S2: Der Investor Joachim Pech sieht das ähnlich. Er hält das Ganze eher für eine Sektorrotation als für ein breiten Crash und kann sich kaum vorstellen, dass bereits bestellte Rechenzentren plötzlich gestoppt werden. Schließlich ist die KI Infrastruktur inzwischen ja auch eine strategische Frage im Wettbewerb zwischen den USA und China. Im Extremfall, meint er, würde Trump sogar versuchen, einen solchen Investitionsstopp zu verhindern. [00:18:50] S1: Ja, und deshalb hält es ja auch im Pech für vertretbar, nach dem Einbruch schon wieder einzelne Positionen aufzubauen. Und er erinnert dabei an einen bekannten Spruch aus dem Sei ängstlich, wenn andere gierig sind und sei gierig, wenn andere ängstlich sind.
00:18:50 · Daniel Eckert, Lea Oetjen, S0
[00:18:50] S1: Ja, und deshalb hält es ja auch im Pech für vertretbar, nach dem Einbruch schon wieder einzelne Positionen aufzubauen. Und er erinnert dabei an einen bekannten Spruch aus dem Sei ängstlich, wenn andere gierig sind und sei gierig, wenn andere ängstlich sind. [00:19:07] S2: Ja und er hat ja auch gesagt, wenn man mit' 50 Prozent Verlust nicht umgehen kann, sollte man gar keine Aktien besitzen. Und das heißt natürlich all das jetzt nicht, greift ins fallende Messer einfach blind rein, Aber vielleicht heißt es gerade jetzt genauer hinsehen, wo Angst bereits größer geworden ist als das tatsächliche Risiko. Die KI Story ist jedenfalls noch nicht vorbei, aber die Zeit, in der allein das Wort Rechenzentrum schon reicht für steigende Kurse, die Zeit könnte jetzt vorbei sein. [00:19:31] S1: Ja und für euch beginnt jetzt sogar möglicherweise eine besonders interessante Phase an der Börse. Weniger Euphorie, aber mehr Auswahl bei guten Investments und vielleicht locken ja auch dann bald wieder Einstiegskurse. [00:19:49] S0: Die Triple-A-Idee des Tages. [00:19:51] S2: Kaum eine deutsche Aktie hat Privatanleger in den vergangenen Jahren so reich gemacht wie Rheinmetall. Anfang 2022, also kurz vor dem russischen Angriff auf die Ukraine, kostete das Papier weniger als einhundert Euro und im Herbst 2025 waren es sogar zeitweise mehr als 2000 Euro. Also ein Plus von rund 1900 Prozent in nicht mal 4 Jahren.
00:19:51 · Lea Oetjen, Daniel Eckert
[00:19:51] S2: Kaum eine deutsche Aktie hat Privatanleger in den vergangenen Jahren so reich gemacht wie Rheinmetall. Anfang 2022, also kurz vor dem russischen Angriff auf die Ukraine, kostete das Papier weniger als einhundert Euro und im Herbst 2025 waren es sogar zeitweise mehr als 2000 Euro. Also ein Plus von rund 1900 Prozent in nicht mal 4 Jahren. [00:20:11] S1: So ist es. War auch eine der kontroversesten Aktien, muss man dazu sagen. Und am Mittwoch hat die Aktie dann vieles davon wieder weggenommen, ne, denn nach den Quartalszahlen von Rheinmetall brach der Kurs zeitweise mehr als 18 Prozent ein auf rund 850 Euro. Vom Rekordhoch aus gesehen hat sich der Kurs damit mehr als halbiert. Auslöser war die 2. Prognosesenkung innerhalb weniger Monate. Im August hatte Rheinmetall die Umsatzerwartung für 2026 nach dem Aus beim Fregattenprojekt F einhundertsechsundzwanzig schon mal 300000000 Euro gekappt. Jetzt rechnet der Konzern nur noch mit rund 13200000000 Euro statt mit 13.7 bis 14200000000. Ja, die operative Marge, die soll jetzt bei 18.5 Prozent liegen statt bei rund 19 Prozent wie vorher gedacht. [00:21:06] S2: Am meisten schmerzt da der Cashflow tatsächlich. Rheinmetall wollte eigentlich mehr als 40 Prozent des operativen Ergebnisses in echtes Geld verwandeln. Ja, dieses Ziel ist gestrichen. Versprochen wird nur noch ein positive operativer Cashflow, also Geld, das nach laufenden Investitionen dann tatsächlich in der Kasse bleibt. Aber wie hoch das ist, keine Ahnung, sehen wir dann.