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00:12:20 · Lea Oetjen, Daniel Eckert
[00:12:20] S2: Ja, das ist eine wirklich gute Frage. Ich glaub, die stellen wir uns gerade alle. Ich muss ja sagen, ich wäre mit dem Wort Blase ein bisschen vorsichtig, aber wir erleben gerade auf jeden Fall eine ziemlich brutale Neubewertung dessen, was die Börse in den vergangenen Jahren am meisten geliebt hat. Chips, Cloud, Rechenzentren, KI Infrastruktur und und und. Der NESTAG einhundert ist inzwischen mehr als 10 Prozent von seinem Rekord entfernt und damit sind wir jetzt auch noch einmal betont offiziell in 1 Korrektur. [00:12:47] S1: Ja und bemerkenswert ist, wie schnell die ganze Sache gedreht hat. Ich kann da eine lustige Geschichte erzählen. Ich hab mich gestern mal am Nachmittag für 2 Stunden zurückgezogen, weil ich als Finanzexperte zum Thema Dividenden interviewt wurde und nach diesen 2 Stunden, da hatte ich übrigens vorher noch über das Allzeithoch beim DAX getwittert, da kam ich also zurück an meinen Bildschirm und blickte da auf das Display und seh plötzlich die Tech Werte, zweistellig im Minus und ich dachte zuerst, das sind Wochen- oder Monatswerte und das stimmt alles gar nicht. [00:13:17] S2: Ja, und dann hast Du mir geschrieben, Lea, wer hat den Markt kaputt gemacht? [00:13:20] S1: Genau, so war's. Und
00:13:20 · Daniel Eckert, Lea Oetjen
[00:13:20] S1: Genau, so war's. Und [00:13:22] S2: ich konnte es dir nicht beantworten, ja. Aber es war ein bisschen so, als hätten die Anleger von einem Moment auf den anderen gesagt, so, ich will jetzt mein Geld zurück. Und Auslöser für diesen abrupten Perspektivwechsel war dann doch die Politik. Bei den Zwischenwahlen haben sich in Texas, Ohio und Georgia, wir haben's auch eben schon gesagt, die Kandidaten durchgesetzt, die sich gegen neue Rechenzentren ausgesprochen hatten. Und jetzt fürchten die Investoren natürlich, dass ein demokratisch kontrollierter Kongress den Ausbau dieser KI Infrastruktur in Zukunft erschweren könnte. [00:13:48] S1: Ja, aber die Wahl, wenn man ehrlich ist, das war eher der Funke als das eigentliche Pulverfass, denn die Zweifel, die waren ja längst da und hat auch unser Kollege Benedikt Fuest ausführlich drüber geschrieben. Die Zweifel an der Profitabilität von KI, die ist eben auch auf Unternehmen übergeschwappt, die am Anfang der KI Wertschöpfungskette stehen. [00:14:10] S2: Ja, wir haben ja eben schon drüber gesprochen, welche Titel da wie viel verloren haben, Aber wir stellen uns natürlich jetzt eine ziemlich simple Wer bezahlt denn am Ende die Rechnung? Die großen KI Anbieter brauchen ungeheure Mengen an Rechenleistung und gleichzeitig zeigt sich, dass KI Agenten im täglichen Betrieb teilweise so teuer sind, dass sie sich noch nicht kostendeckend verkaufen lassen. Anders gesagt, technologisch funktioniert vieles beeindruckend gut, ökonomisch aber noch nicht unbedingt.
00:14:10 · Lea Oetjen, Daniel Eckert
[00:14:10] S2: Ja, wir haben ja eben schon drüber gesprochen, welche Titel da wie viel verloren haben, Aber wir stellen uns natürlich jetzt eine ziemlich simple Wer bezahlt denn am Ende die Rechnung? Die großen KI Anbieter brauchen ungeheure Mengen an Rechenleistung und gleichzeitig zeigt sich, dass KI Agenten im täglichen Betrieb teilweise so teuer sind, dass sie sich noch nicht kostendeckend verkaufen lassen. Anders gesagt, technologisch funktioniert vieles beeindruckend gut, ökonomisch aber noch nicht unbedingt. [00:14:34] S1: Ja und auf diese KI Agenten, da hatten ja viele große Hoffnungen gesetzt. Irgendwie ist das alles paradox, denn Microsoft, Amazon oder Alphabet, die haben ja volle Auftragsbücher für ihre Cloud Sparten. Gleichzeitig verschlingen die neuen Rechenzentren aber so viel Kapital, dass der freie Cashflow massiv unter Druck gerät. Bis vor Kurzem gar kein Problem, aber dann kam Alphabet und seither feiert die Wall Street jetzt nicht mehr jede KI Investition, nicht mehr jeden Dollar an KI Investitionen, sondern fragt plötzlich, was denn dieser Dollar später mal einbringt. [00:15:12] S2: Ja, und damit verändert sich ja ein Stück weit auch so das Verhältnis zum Risiko. Solange Anleger glaubten, dass die Nachfrage praktisch unbegrenzt wächst, waren Hunderte Milliarden Dollar Vorleistung kein großes Ding. Wenn das Wachstum aber nun ein bisschen langsamer wird, sieht dieselbe Rechnung plötzlich halt ganz anders aus, logisch. Vor allem bei den Firmen, die ihre NVIDIA Rechner mit viel Fremdkapital finanziert haben zum Beispiel.
00:15:12 · Lea Oetjen, Daniel Eckert
[00:15:12] S2: Ja, und damit verändert sich ja ein Stück weit auch so das Verhältnis zum Risiko. Solange Anleger glaubten, dass die Nachfrage praktisch unbegrenzt wächst, waren Hunderte Milliarden Dollar Vorleistung kein großes Ding. Wenn das Wachstum aber nun ein bisschen langsamer wird, sieht dieselbe Rechnung plötzlich halt ganz anders aus, logisch. Vor allem bei den Firmen, die ihre NVIDIA Rechner mit viel Fremdkapital finanziert haben zum Beispiel. [00:15:34] S1: Jetzt kommt noch ein entscheidender Punkt, denn ausgerechnet in diesem Moment fehlt ein wichtiger Puffer. Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta und Oracle, die haben ihre Aktienrückkäufe massiv reduziert, weil sie das Geld für Rechenzentren brauchen. Und genau in dem Moment, in dem die Kurse schwächeln, kaufen die Techgiganten deutlich weniger ihre eigenen Aktien zurück und auch das verstärkt jetzt die Bewegung nach unten. [00:15:58] S2: Ja und trotzdem würde ich nicht von einem großen Börsencrash oder gar dem Platzen der KI Blase sprechen. Dafür sieht das Bild unterhalb der Oberfläche noch zu differenziert aus. Geld verschwindet nicht einfach aufs Markt, sondern wandert beispielsweise in Anleihen oder auch in Geldmarktfonds. Und Apple war gestern sogar im Plus, wenn auch leicht, aber im Plus, während die ganz großen KI Gewinner natürlich massiv unter Druck standen. [00:16:19] S1: Ja, und das sollte man auf jeden Fall immer tun, unter die Oberfläche schauen, denn da sieht man ja die paddelnden Füße der Entlein. [00:16:25] S2: Ja, da ist sie wieder, die Ente.
00:16:25 · Lea Oetjen, Daniel Eckert
[00:16:25] S2: Ja, da ist sie wieder, die Ente. [00:16:27] S1: Ja, und damit sind wir beim entscheidenden Punkt. Wir sehen bislang eher eine heftige Sektorrelation als einen breiten Crash am Aktienmarkt. Und dazu passt auch, dass defensive Branchen seit einigen Wochen stärker laufen. Anleger verkaufen also Risiko, aber sie verkaufen nicht wahllos alles am Aktienmarkt. [00:16:47] S2: Ja, das war ja auch zum Beispiel am Donnerstag ganz schön beim DAX zu beobachten. Am Vormittag steht der Deutsche Light and DAX zunächst auf das neue Rekordhoch. Du hast es ja selbst gesagt, während an der Wall Street Technologie verkauft wurde. Erst als der Ausverkauf in New York dann am späten Nachmittag immer heftiger wurde, drehte dann noch der DAX ins Minus und das spricht ja dann eher für Umschichtung als für die pure Panik. [00:17:07] S1: So ist es. Und damit kommen wir jetzt zum entscheidenden Punkt, zur Frage, die euch am meisten beschäftigt als Anleger. Was macht ihr jetzt? Also erstens würde ich einen Nasdaq Rückgang gut 10 Prozent noch nicht mit einem Bärenmarkt verwechseln. Historisch spricht man ja erst bei einem Minus von 20 Prozent von einem solchen Bärenmarkt. Und eine Korrektur von 10 Prozent, die fühlt sich unangenehm an, ist aber etwas komplett anderes als ein Systembruch.
00:17:07 · Daniel Eckert, Lea Oetjen
[00:17:07] S1: So ist es. Und damit kommen wir jetzt zum entscheidenden Punkt, zur Frage, die euch am meisten beschäftigt als Anleger. Was macht ihr jetzt? Also erstens würde ich einen Nasdaq Rückgang gut 10 Prozent noch nicht mit einem Bärenmarkt verwechseln. Historisch spricht man ja erst bei einem Minus von 20 Prozent von einem solchen Bärenmarkt. Und eine Korrektur von 10 Prozent, die fühlt sich unangenehm an, ist aber etwas komplett anderes als ein Systembruch. [00:17:36] S2: Ja, tut nur bisschen weh. Ja, zweitens würde ich jetzt genau hinschauen, welche Geschäftsmodelle denn eigentlich wirklich verkauft wurden. Ein hoch verschuldeter Rechenzentrumsbetreiber ist ja was völlig anderes als zum Beispiel eine Microsoft Aktie mit Milliarden Cashflows im Hintergrund und bestehenden Cloud Kunden. Wenn alles gleichzeitig fällt, entstehen grade durch diese Unterschiede natürlich auch Chancen. Der Markt beginnt wieder Qualität und Finanzierung stärker zu unterscheiden. [00:18:00] S1: Und eine 3. Bitte, nicht versuchen, den heldenhaften Trader spielen zu wollen und unbedingt den Tiefpunkt erwischen zu wollen. Wer von der langfristigen KI Story überzeugt ist, der kann eine Korrektur nutzen, gute Unternehmen in Tranchen einzusammeln. Gerade nach solchen Tagen ist es vernünftiger, Positionen schrittweise aufzubauen, als mit einem großen Betrag auf das perfekte Timing zu wetten, Stichwort Sparplan.