00:10:50 · Jan Thomas
[00:10:50] S1: Dieses gemeinsam zu gründen, also vielleicht kannst Du es da noch mal abholen in die Idee, weil ihr habt ja ein bisschen einen anderen Blick auf den Markt und Du hast jetzt eben von dem badet badet System schon gesprochen, aber wie ist das denn hinterher? Also es gibt ja viele etablierte Player, aber irgendwie hab ich das Gefühl, ihr habt ein anderen Approach, oder?
00:11:06 · Jörn Chim Chow
[00:11:06] S2: Genau. Du musst dir das so vorstellen, die meisten embedded Systeme basieren auf verschiedenen Prozessoren. Man hat also verschiedene spezialisierte Prozessoren. Stell dir vor, Du hast ein Orchester und in dem Orchester hast Du Musiker und da kann jeder quasi ein Instrument spielen. 1 kann, was weiß ich, die Galge, ein anderer kann Blasinstrument, die Trompete, sag ich's mal so. Jetzt ist es aber so, was ist was ist, wenn sich diese wenn sich die Antwort verändert, wenn ich jetzt plötzlich mehr Geigen brauche? Und heutzutage ist es so, Du baust quasi ein System zusammen aus vielen verschiedenen spezialisierten Prozessoren. Jeder Prozessor kann quasi ein bestimmtes Instrument oder eine bestimmte Arbeitslast. Das heißt, hast zum Beispiel Prozessoren, die sind spezialisiert für die Signalverarbeitung, die spezialisiert sind für die Echtzeitverarbeitung oder für die Echtzeitkontrolle. Und dann Prozessoren wie DPUs oder MPUs, die zum Beispiel für KI oder neuronale Netze spezialisiert sind. Und wir haben eine neue Art, die es uns quasi ermöglicht, alles in einem Prozessor zu machen. Wenn wir das Orchesterbeispiel nehmen, wir haben quasi Musiker, die nicht nur ein Instrument spielen können, sondern verschiedene Instrumente spielen können, je nach Bedarf. Für unseren Prozessor bedeutet das, wir haben eine neuartige Architektur, wo wir Teile des Prozessors, während das Programm läuft, quasi neu allokieren können. Das heißt, ein Teil des Prozessors kann zum Beispiel dein Betriebssystem ausführen, während andere Teile des Prozessors zum Beispiel Signalverarbeitung oder neuronale Netze verarbeiten. Und diese Allokation kann während der Runtime, also während das Programm läuft, dynamisch verschoben werden. Das führt dazu, dass Systeme deutlich von der Komplexität deutlich einfacher werden. Heißt, man braucht nicht mehr 4 oder 5 verschiedene Prozessoren, sondern man kann quasi eine Art von Prozess haben, die nur ein Software Tool Tool Chain braucht. Also Du hast nicht mehr verschiedene Entwicklungsumgebungen für jeden Prozessor, sondern Du hast nur noch eine Entwicklungsumgebung für einen Prozessor, einen Software Stack anstatt fragmentierten, sag ich's mal so, fragmentierten Entwicklungsumgebungen und verschiedene Software Stacks, die quasi für jeden Prozessor unterschiedlich sind.
00:13:12 · Jan Thomas
[00:13:12] S1: Kannst Du mich mal mitnehmen oder uns mal mitnehmen, wie ist diese Idee entstanden? Weil ich finde das ja schon faszinierend, ne. Wir wir reden jetzt hier über über ein Land, Deutschland, Europa, wo eigentlich dieser ganze Bereich son bisschen verweist ist und dann kommt ihr und trefft euch abends aufn Bier und sagt, boah, man müsst ihr mal und dann 2 Jahre später habt ihr ein Unternehmen, das eine große Runde gedreht hat. Wie läuft so was?
00:13:31 · Jörn Chim Chow
[00:13:31] S2: Na ja, also ganz so einfach ist es nicht. Jetzt wird's vielleicht ein bisschen technisch. Der der Martin hatte hatte in der Vergangenheit eine Firma, die FPGAs entwickelt unter sehr vielen der Grundlagentechnologien für FPGAs. FPGAs sind Prozessoren, die die man nachträglich umprogrammieren kann, ja? Die sind sehr flexibel, aber sie sind teuer und schwer zu programmieren. Man muss sich das so vorstellen, das ist quasi das, wie soll man sagen? Der Grundgedanke ist ähnlich, aber man hat einen Prozessor, der wie Hardware programmiert werden muss. Das heißt, man kann nicht einfach Software schreiben, sondern muss quasi ähnlich wie in der Hardwareentwicklung die Schaltkreise quasi definieren, sozusagen die Schaltzonen definieren. Und dann hat man ein sehr komplexes Konfigurationstool, mit dem man diese Prozessoren konfiguriert. Und sind diese Prozessoren erst konfiguriert und in Nutzung ist es sehr schwer, diese noch mal umzukonfigurieren sozusagen. Man braucht immer ein Reboot und die Entwicklungszyklen dauern mehrere Monate für so einen Prozessor. Und für diese Art von Prozessoren, für FPGAs, hat Martin quasi sehr viele der grundlegenden Technologien entwickelt gehabt und wirklich über 200 Patente in diesem Bereich. Und da kam die Idee, das muss man doch besser können. Und das war quasi dieser der Grundgedanke oder der der Funke von Ubitium, der das Ganze zum Laufen gebracht hat, wo der Martin dann gesagt hat, okay, das könnte man doch besser. Was wäre, wenn wir nicht so eine Art Co Prozessor haben, der wirklich sehr schwer zu programmieren ist, sondern quasi, wenn diese Konfigurierbarkeit mit Software definiert wäre. Was heißt, wenn ich jetzt keine Hardwareentwicklungszyklen mehr durchmachen muss, diesen Prozessor zu konfigurieren, sondern einfach Software schreiben könnte und einfach mit der Software diesen Prozessor neu konfigurieren könnte? Und das ist son bisschen der Grundgedanke. Hat auch eine Weile gedauert, ist noch nicht über Nacht geschehen, weiß mal so. Der Jan, es waren, Martin hat grade 15 Jahre Forschung reingesteckt, war 15 Jahre quasi in diese Idee reingesteckt, bis er dann einen ersten Prototypen hatten, wo wir gesagt haben, okay, das Grundprinzip funktioniert, sozusagen, ja. Das könnte was geben.
00:15:31 · Jörn Chim Chow, Jan Thomas
Und das war dann der Punkt, wo wir uns dann zusammengesetzt haben und gesagt haben, jetzt jetzt gründen wir meine Firma, machen unsere 1. Runde quasi, die ersten 4000000, einen ersten Prototypen zu bauen, der der zeigen kann, dass dieses Prinzip funktioniert. Das war dann unser erster Prozessor. [00:15:47] S1: Und und toll, also ich finde es faszinierend, ne, wie gesagt, weil ich also weil's auch ein Bereich ist, von dem ich sehr, sehr wenig verstehe, aber zeitgleich, ich stell mir das als eine so krasse, so sone Monsteraufgabe eigentlich vor. Also vielleicht kannst Du mal sagen, wo wo steht ihr denn jetzt grade, wenn man jetzt sagt, der Weg hat irgendwie 100 Schritte, an welchem Punkt seid ihr gerade?
00:16:02 · Jörn Chim Chow
[00:16:02] S2: Wir haben unsere Roadmap quasi in 3 Schritte aufgeteilt. Wir haben gesagt, okay, der 1. Schritt ist quasi zu zeigen, dass diese neue Art Architektur funktioniert. Das war unser erster Chip. Wir sind jetzt in der zweiten Phase, wo wir jetzt diese neuartige Architektur hochskalieren und quasi ein Produkt draus machen. Wir bauen jetzt gerade unseren zweiten Prozessor, also der wird gerade entwickelt. Der soll Anfang nächsten Jahres in die Fertigung gehen. Und das wird auch der 1. Chip, der dann quasi an unsere ersten Kunden gehen wird. Die können dann diesen Prozessor quasi in Form von Dev Kits ausprobieren. Und wenn dann das grüne Licht kommt, sagen, oh, wir wir sind total zufrieden mit dem Prozessor, dann gehen wir in die Massenfertigung. Und das ist dann der 3. Schritt. Du kannst dir das so vorstellen, das ist total kapitalintensiv. Und der Grund, warum wir das so aufgeteilt haben, ist, damit wir in gewisser Weise ein de Risking machen mit jedem Schritt. Das heißt, nach dem ersten Schritt haben wir gesagt, hey, wir brauchen jetzt 4000000. Mit dem ersten Schritt haben wir gezeigt, die Technik, die funktioniert. Jetzt brauchen wir noch mal weitere 14000000 US Dollar quasi für den zweiten Schritt, diesen ein Produkt draus zu machen. Und wenn's dann in die Fertigung geht, dann braucht man dann natürlich dann noch mal deutlich mehr. Und ich glaub, die größte Hürde für uns war wirklich, das Kapital zusammenzubekommen. Es ist fairerweise sagen oder es war nicht so einfach, das Kapital zusammenzubekommen. Man sieht in den in den Nachrichten immer die riesengroßen Runden von US Start ups, sag ich's mal so. Die Realität war aber, dass dass dass das gar nicht so einfach war, quasi das Geld zusammenzubekommen. Und wir haben quasi 4000000 eingesammelt in unserer ersten Runde, also 4000000 US Dollar, was im Vergleich, im internationalen Vergleich eigentlich nichts ist. Das sind Peeluts sozusagen. Wir hatten aber 2 Faktoren, die für uns gesprochen haben. Das 1. Hatten, wir haben ein sehr kleines Team gehabt, aber ein wirklich spitze, also Top Top Team, sag ich's mal so. Wir haben Ingenieure von von Intel, von von Apple, von NVIDIA, die bei uns angefangen haben, die die an diese Idee geglaubt haben und bei glauben und quasi bei uns angefangen haben. Und wir hatten die Unterstützung von Siemens und Samsung.