Alles auf Aktien – Die täglichen Finanzen-News
00:18:33 · Lea Oetjen, Daniel Eckert
[00:18:33] S2: Ja, und genau da kommt auch die unbequeme Wahrheit. Wenn ein Betrag über einen relativ kurzen Zeitraum aufgebraucht werden soll, dürfen Aktien nicht einhundert Prozent ausmachen. Beim Sparen ist ein Börsencrash unangenehm, aber mit langem Horizont sogar eine Gelegenheit, günstig weitere Anteile zu kaufen. Beim Entsparen dreht sich dieser Mechanismus allerdings denn plötzlich müssen wir verkaufen, egal wie gerade das Börsenmetall ist. [00:18:56] S1: Ich hab das selber mal mit historischen DAX Daten durchgerechnet und das Ergebnis, das fand ich selbst ziemlich krass. 50000 Euro Startkapital komplett in Aktien dann jeden Monat 1000 Euro Entnahme. Und wer so Anfang neunzehnhundertneunundneunzig gestartet wäre, der hätte 50 volle Monatsraten geschafft ab 1000 Euro. Nur ein Jahr später gestartet, also Anfang 2000, kurz vor dem Platzen der Millenniumsblase, ja, da hätte das Geld lediglich für 36 volle Monatsraten gereicht, also nur für 3 Jahre. Ein einziges Jahr Unterschied beim Startpunkt kostet in der Modellrechnung 14 Monatsraten. [00:19:35] S2: Ja, dahinter steckt das sogenannte Renditereihenfolgerisiko und das ist beim Entsparen 1 der zentralen Gefahren. Fallen die Aktien gleich am Anfang 30 oder 40 Prozent, muss Daniel anschließend viel mehr ETF Anteile verkaufen, an seine 1000 Euro zu kommen. Diese verkauften Anteile sind dann weg und können die spätere Börsenerholung nicht mehr mitmachen. Entscheidend ist also nicht nur, welche durchschnittliche Renditen die Aktien über die vielen Jahre bringen, sondern vor allem, wann Gewinne und Verluste auftreten.
00:19:35 · Lea Oetjen, Daniel Eckert
[00:19:35] S2: Ja, dahinter steckt das sogenannte Renditereihenfolgerisiko und das ist beim Entsparen 1 der zentralen Gefahren. Fallen die Aktien gleich am Anfang 30 oder 40 Prozent, muss Daniel anschließend viel mehr ETF Anteile verkaufen, an seine 1000 Euro zu kommen. Diese verkauften Anteile sind dann weg und können die spätere Börsenerholung nicht mehr mitmachen. Entscheidend ist also nicht nur, welche durchschnittliche Renditen die Aktien über die vielen Jahre bringen, sondern vor allem, wann Gewinne und Verluste auftreten. [00:20:02] S1: Und wie sieht jetzt also eine vernünftige Lösung für das Problem aus? Also ich würd die 50000 Euro gedanklich in mehrere Töpfe aufteilen und ungefähr ein Viertel davon, also so 12 bis 13000 Euro in dem WELT ETF lassen. Die übrigen 3 Viertel, die würde ich aber aus dem Aktienrisiko rausnehmen. Das folgt der einfachen Überlegung, Geld, in den nächsten Jahren zwingend gebraucht wird, das sollte nicht davon abhängen, ob gerade Bullen- oder Bärenmarkt ist. Und Geld, das ihr erst am Fernhorizont brauchen werdet, also auf das ihr dann zugreifen müsst, das kann dagegen investiert bleiben.
00:20:02 · Daniel Eckert, Lea Oetjen
[00:20:02] S1: Und wie sieht jetzt also eine vernünftige Lösung für das Problem aus? Also ich würd die 50000 Euro gedanklich in mehrere Töpfe aufteilen und ungefähr ein Viertel davon, also so 12 bis 13000 Euro in dem WELT ETF lassen. Die übrigen 3 Viertel, die würde ich aber aus dem Aktienrisiko rausnehmen. Das folgt der einfachen Überlegung, Geld, in den nächsten Jahren zwingend gebraucht wird, das sollte nicht davon abhängen, ob gerade Bullen- oder Bärenmarkt ist. Und Geld, das ihr erst am Fernhorizont brauchen werdet, also auf das ihr dann zugreifen müsst, das kann dagegen investiert bleiben. [00:20:40] S2: Und auch die sicheren siebenunddreißig- oder 38000 Euro müssen natürlich nicht einfach unverzins herumliegen. Das Geld fürs 1. Studienjahr kann beispielsweise auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto oder an' Geldmarkt ETF liegen. Für spätere Jahre kommen dann auch Festgeld, kurz laufende Anleihen oder Laufzeit ETFs infrage. Man kann eine Art Treppe bauen, bei der zu den jeweiligen Studienjahren das nötige Kapital verfügbar wird. Der verbleibende Aktienanteil bekommt dadurch Zeit und muss nicht mitten im Crash aus Not verkauft werden.
00:20:40 · Lea Oetjen, Daniel Eckert
[00:20:40] S2: Und auch die sicheren siebenunddreißig- oder 38000 Euro müssen natürlich nicht einfach unverzins herumliegen. Das Geld fürs 1. Studienjahr kann beispielsweise auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto oder an' Geldmarkt ETF liegen. Für spätere Jahre kommen dann auch Festgeld, kurz laufende Anleihen oder Laufzeit ETFs infrage. Man kann eine Art Treppe bauen, bei der zu den jeweiligen Studienjahren das nötige Kapital verfügbar wird. Der verbleibende Aktienanteil bekommt dadurch Zeit und muss nicht mitten im Crash aus Not verkauft werden. [00:21:06] S1: Ja und der Aktienanteil, von dem wir gesprochen haben, der sollte nicht starr bleiben. Läuft die Börse im ersten Studienjahr ausgezeichnet, dann würde ich einen Teil davon, also von den Gewinnen, in den sicheren Topf schieben, denn der Anlagehorizont, der wird ja mit jedem Semester kürzer. Stürzt die Börse dagegen ab, kann Daniel erst einmal aus der sicheren Reserve dem Tagesgeld zahlen und muss seine Aktien nicht zu tiefen Kursen verscherbeln. Der Sicherheitstopf, der kauft ihm also etwas, was sehr wertvoll ist, nämlich Zeit.
00:21:06 · Daniel Eckert, Lea Oetjen
[00:21:06] S1: Ja und der Aktienanteil, von dem wir gesprochen haben, der sollte nicht starr bleiben. Läuft die Börse im ersten Studienjahr ausgezeichnet, dann würde ich einen Teil davon, also von den Gewinnen, in den sicheren Topf schieben, denn der Anlagehorizont, der wird ja mit jedem Semester kürzer. Stürzt die Börse dagegen ab, kann Daniel erst einmal aus der sicheren Reserve dem Tagesgeld zahlen und muss seine Aktien nicht zu tiefen Kursen verscherbeln. Der Sicherheitstopf, der kauft ihm also etwas, was sehr wertvoll ist, nämlich Zeit. [00:21:38] S2: Ja und etwas, was man sonst für kein Geld der Welt erwerben kann. Wichtig ist aber auch die Gegenprobe. Hat Daniel außerhalb dieser 50000 Euro noch große Reserven oder kann er das Studium notfalls auch problemlos auf seinem laufenden Einkommen bezahlen, darf die Aktienquote natürlich höher sein. Dann könnten zum Beispiel auch 40 Prozent vertretbar sein. Die entscheidende Frage, die ihr euch da selbst stellen müsst, lautet, welchen Betrag kann ich selbst nach einem Börsencrash unangetastet lassen, ohne die Ausbildung meines Kindes dabei zu gefährden?
00:21:38 · Lea Oetjen, Daniel Eckert
[00:21:38] S2: Ja und etwas, was man sonst für kein Geld der Welt erwerben kann. Wichtig ist aber auch die Gegenprobe. Hat Daniel außerhalb dieser 50000 Euro noch große Reserven oder kann er das Studium notfalls auch problemlos auf seinem laufenden Einkommen bezahlen, darf die Aktienquote natürlich höher sein. Dann könnten zum Beispiel auch 40 Prozent vertretbar sein. Die entscheidende Frage, die ihr euch da selbst stellen müsst, lautet, welchen Betrag kann ich selbst nach einem Börsencrash unangetastet lassen, ohne die Ausbildung meines Kindes dabei zu gefährden? [00:22:05] S1: Und wenn wir jetzt vom Ruhestand reden, also nicht von der Finanzierung des Studiums, da sieht die Sache anders aus. Wer mit 67 ein größeres Depot hat, da geht's ja dann oft sechsstellige Summen, der braucht schließlich nicht das gesamte Kapital innerhalb von 4 Jahren, sondern möglicherweise erst über 20 oder 30 Jahre. Und deshalb kann dann ein deutlich größerer Teil in Aktien investiert bleiben. Auch Rentner sollten einen Sicherheitspuffer haben, damit sie im Crash nicht gezwungen sind, Aktien zu verkaufen. Das gilt's auch zu bedenken. [00:22:38] S2: Ja, und damit kommen wir auch zur eigentlichen Triple A-Edit. Heute mal ein bisschen später, dass sie hier so konkret ausformuliert wird. Vermögen aufzubauen und Vermögen auszugeben sind 2 verschiedene Disziplinen. Während des Sparens ist Zeit der beste Freund des Aktienanlegers. Während des Entsparens kann sie in Gestalt 1 fixen Auszahlungstermins allerdings zum Gegner werden.